Knie
Meniskusschaden
Ein Meniskusschaden bezeichnet eine Verletzung oder Abnutzung des Meniskus, eines halbmondförmigen Knorpelrings im Kniegelenk. Es gibt zwei Menisken pro Knie: den Innenmeniskus (medial) und den Außenmeniskus (lateral). Sie dienen als Stoßdämpfer, Stabilisatoren und helfen bei der Lastverteilung im Knie.
Wie erkenne ich einen Meniskusriss?
Ein Meniskusriss entsteht oft durch eine plötzliche Verdrehung des Knies, kann aber auch durch altersbedingten Verschleiß verursacht werden. Typische Symptome sind:
- Schmerzen im Knie, die stechend oder dumpf sein können.
- Eine Schwellung oder Gelenkerguss.
- Eine eingeschränkte Beweglichkeit oder ein Gefühl der Blockade im Knie.
- Ein Gefühl der Instabilität.
Behandlung: Wann ist eine Operation nötig?
Kleine Meniskusschäden, die kaum Beschwerden verursachen, können oft ohne Operation behandelt werden. Hierbei helfen Ruhe, Kühlung, Schmerzmittel und Physiotherapie, um Schmerzen zu lindern und die Muskulatur zu stärken.
Eine Operation wird notwendig, wenn konservative Methoden nicht greifen, bei größeren Rissen oder wenn der Meniskus das Gelenk blockiert. Da Menisken nur am äußeren Rand gut durchblutet sind, heilen Risse im schlecht durchbluteten inneren Bereich oft nicht von allein.
Die Kniegelenk-Arthroskopie: Minimalinvasiv und schonend
Die Meniskus-Operation wird meistens als Arthroskopie durchgeführt. Dies ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem der Chirurg über zwei kleine Schnitte (sogenannte "Schlüssellöcher") eine Kamera und feine Instrumente in das Knie einführt. Die Operation dauert in der Regel 20 bis 40 Minuten und kann oft ambulant durchgeführt werden, was eine schnelle Rückkehr nach Hause ermöglicht.
Zwei Wege zur Genesung: Meniskusentfernung oder Meniskusnaht
Je nach Art, Größe und Lage des Risses gibt es zwei Hauptverfahren:
- Meniskusteilentfernung (Resektion): Hierbei wird der eingerissene Teil des Meniskus entfernt. Diese Methode führt zu einer schnelleren Genesung, da das Knie sofort wieder belastet werden kann. Die Rückkehr zum Sport ist oft bereits nach vier Wochen möglich. Langfristig kann das Risiko für eine Kniearthrose jedoch erhöht sein.
- Meniskusnaht (Refixation): Wenn der Riss in der gut durchbluteten Zone liegt, kann er genäht werden. Dies wird als „Goldstandard“ angesehen, da der Meniskus vollständig erhalten bleibt und das Knie langfristig besser vor Arthrose geschützt wird. Allerdings erfordert die Naht eine deutlich längere und vorsichtigere Nachbehandlung mit Gehstöcken und eingeschränkter Belastung für mehrere Wochen.
Genesung und Nachbehandlung
Unabhängig vom Eingriff ist die Physiotherapie entscheidend für die Genesung. Sie hilft, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit wiederherzustellen und das Gelenk zu stabilisieren. Während die Genesung nach einer Teilentfernung schnell verläuft, ist bei einer Meniskusnaht Geduld gefragt. Hier kann die vollständige Genesung und Rückkehr zu Kontaktsportarten 3 bis 6 Monate dauern.
Kreuzbandverletzung
Das vordere Kreuzband (VKB) ist ein zentrales Band im Knie, das dafür sorgt, dass Ihr Unterschenkel nicht nach vorne wegrutscht und sich Ihr Knie nicht übermäßig verdreht. Ein Riss des Kreuzbandes tritt oft bei sportlichen Aktivitäten mit schnellen Stopps, abrupten Richtungswechseln oder Drehbewegungen auf, wie sie beim Skifahren oder in Ballsportarten vorkommen. Typische Anzeichen sind ein lautes "Plopp"-Geräusch, starke Schmerzen, eine Schwellung und vor allem das Gefühl, dass das Knie unter Belastung einknickt. Ob eine Operation notwendig ist, hängt davon ab, wie sehr die Instabilität des Knies Ihren Alltag und Ihre sportlichen Ambitionen beeinträchtigt.
Diagnose und Entscheidung für die Operation
Die Diagnose erfolgt durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die Stabilität Ihres Knies prüft. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) bestätigt den Riss und zeigt, ob es Begleitverletzungen an Meniskus oder Knorpel gibt, die eine Operation ebenfalls notwendig machen können.
Eine Operation wird in der Regel empfohlen, wenn:
- Sie das Gefühl haben, dass Ihr Knie instabil ist oder immer wieder wegsackt.
- Sie sportlich aktiv sind, insbesondere in Sportarten, die schnelle Dreh- und Stoppbewegungen erfordern.
- Begleitverletzungen am Meniskus oder Knorpel vorliegen.
Vorbereitung vor dem Eingriff (Prehabilitation)
Der Erfolg einer Kreuzbandoperation beginnt schon vor dem eigentlichen Eingriff. In der Regel wird empfohlen, 6 bis 8 Wochen zu warten, bis das Knie abschwillt und seine Beweglichkeit wiedererlangt hat. In dieser Zeit, der sogenannten „Prehabilitation“, arbeiten Sie mit einem Physiotherapeuten daran, Schwellungen zu reduzieren und die volle Streckung sowie eine gute Beugung zu erreichen. Dies ist entscheidend, um postoperative Komplikationen zu vermeiden und die Rehabilitation zu beschleunigen.
Das Operationsverfahren: Hamstring-Plastik
Die gerissene Kreuzbandstruktur wird durch ein körpereigenes Transplantat ersetzt. Das gängigste Verfahren ist die Hamstring-Plastik, bei der die Sehnen des Semitendinosus- und Gracilis-Muskels aus der Rückseite des Oberschenkels entnommen werden. Die Sehnen werden vervielfacht, um ein starkes Transplantat zu bilden, das dann arthroskopisch (minimal-invasiv) durch feine Bohrtunnel im Schien- und Oberschenkelknochen verankert wird.
Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass sie die Kniescheibe schont. Dadurch treten im Vergleich zu anderen Techniken seltener Schmerzen beim Knien auf.
Rehabilitation: Der Weg zur Genesung
Die Genesung nach der Operation ist ein Prozess, der bis zu einem Jahr dauern kann. Eine konsequente Physiotherapie ist dabei der wichtigste Faktor für den Erfolg.
Die Rehabilitation verläuft in Phasen:
- 1. Phase (bis 2. Woche): Reduzierung von Schmerzen und Schwellung. Ziel ist die Wiederherstellung der vollen Kniestreckung. Das Bein wird nur teilweise belastet und mit Gehstützen entlastet.
- 2. Phase (Woche 2 bis 6): Übergang zur Vollbelastung. Die Physiotherapie fokussiert sich auf die Mobilisation der Kniescheibe und erste aktivierende Übungen für die Muskulatur.
- 3. Phase (Woche 7 bis 12): Fokus auf Kraft und Koordination. Leichte Ausdauerübungen wie Fahrradfahren oder Schwimmen sind nun möglich.
- 4. Phase (ab 4. Monat): Sportartspezifisches Training. Sprung- und Koordinationstests bereiten die Rückkehr zum Sport vor.
- Die vollständige Rückkehr zu Kontaktsportarten sollte frühestens nach 6 Monaten erfolgen und nur, wenn alle Kriterien wie Schmerzfreiheit und ausreichende Muskelkraft erfüllt sind.
Risiken und Langzeitergebnisse
Die vordere Kreuzbandplastik hat eine sehr hohe Erfolgsquote von über 90 %. Dennoch sind, wie bei jeder Operation, Risiken möglich. Dazu gehören die Gefahr eines erneuten Risses, die Entstehung von Narbengewebe im Knie, das zu Bewegungseinschränkungen führen kann (Arthrofibrose), sowie Infektionen. Eine sorgfältige Rehabilitation und die Einhaltung der Anweisungen des Arztes sind essenziell, um diese Risiken zu minimieren.
Patellaluxation
Die Patellaluxation ist das Herausspringen der Kniescheibe (Patella) aus der Führungsrinne des Oberschenkels (Trochlea femoris). Meist nach lateral (nach außen).
Ursachen
- Traumatisch: Verdrehung oder direktes Trauma (z. B. beim Sport, Sprung, Richtungswechsel)
- Anatomische Prädispositionen (erhöhen Luxationsrisiko):
- Flache Gleitrinne (Trochleadysplasie)
- Hochstand der Patella (Patella alta)
- Achsfehlstellungen (X-Beine, Valgus)
- Hypermobilität / Bänderschwäche
Symptome
- Plötzlich einschießender Knieschmerz
- Gefühl des „Wegschnappens“ / Instabilität
- Schwellung (Hämarthros)
- Fehlstellung sichtbar (Patella meist lateral verschoben)
- Nach spontaner Reposition → Gefühl der Unsicherheit („giving way“)
Diagnostik
- Klinisch: Fehlstellung oder Zeichen einer zurückgesprungenen Luxation (Schwellung, Druckschmerz medial)
- Röntgen (a.p., seitlich, axial) → Knochenveränderungen, Luxationsrichtung
- MRT: Beurteilung von Knorpelschäden, Bandverletzungen (MPFL = mediales patellofemorales Ligament)
Therapie
- Akut:
- Reposition (manuell: langsame Streckung des Knies, oft spontan)
- Kühlung, Ruhigstellung (Orthese/Schiene für 2–4 Wochen)
- Schmerzmittel
- Konservativ (bei Erstluxation ohne relevante Begleitschäden):
- Physiotherapie (Muskelaufbau M. vastus medialis, Stabilisierung)
- Orthesen zur Führung der Patella
- Vermeidung von Risikosportarten in der Frühphase
Operativ (bei Instabilität oder wiederholter Luxation)
- MPFL-Rekonstruktion (häufigste OP, Ersatz des gerissenen medialen Stabilisators)
- Trochleaplastik (bei starker Dysplasie)
- Versetzung der Tuberositas tibiae (Korrektur bei Patella alta oder Achsfehlstellung)
- Knorpel-/Knochenrefixation bei begleitenden Schäden
Prognose
- Erstluxation → oft gute Prognose mit konservativer Therapie
- Wiederholte Luxationen (Rezidive) → hohes Risiko für chronische Instabilität und vorzeitige Arthrose
- Operative Stabilisierung reduziert Rezidivrisiko deutlich
Knorpelschaden/Arthrose
Gonarthrose ist die medizinische Bezeichnung für Kniegelenksarthrose, also Verschleiß des Knorpels im Kniegelenk. Sie gehört zu den häufigsten Arthroseformen überhaupt und tritt besonders im höheren Alter auf – oft auch beidseitig.
Im Kniegelenk befinden sich Knorpelflächen an Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia) und Kniescheibe (Patella). Bei Gonarthrose nutzt sich dieser Knorpel ab:
- Anfangs: Dünnerer Knorpel, Reibung steigt
- Später: Knorpelverlust, Knochen liegt frei
- Es entstehen Knochenanbauten (Osteophyten) und Entzündungen im Gelenk
Ursachen
- Primär: Altersbedingter Verschleiß ohne erkennbare Ursache
- Sekundär:
- Fehlstellungen (z. B. X-Beine → laterale Arthrose, O-Beine → mediale Arthrose)
- Vorangegangene Verletzungen (z. B. Meniskusriss, Kreuzbandriss)
- Übergewicht
- Rheuma, Gicht
- Instabilitäten oder Überlastung (z. B. durch Sport oder Beruf)
Symptome
- Anlaufschmerz (besonders morgens oder nach Sitzen)
- Belastungsschmerz beim Gehen, Stehen oder Treppensteigen
- Kniegelenksschwellung, evtl. mit Gelenkerguss (Wasser im Knie)
- Krepitationen (Knirschen beim Bewegen)
- Bewegungseinschränkungen
- Später: Dauerschmerzen, Hinken, Instabilität
Diagnose
- Klinische Untersuchung: Schwellung, Bewegungsausmaß, Schmerzpunkte
- Röntgen: Verschmälerung des Gelenkspalts, Osteophyten, Deformierungen
- MRT (bei Verdacht auf Meniskus-, Band- oder Knorpelschäden)
Behandlung
- Konservativ:
- Physiotherapie: Muskelaufbau (v. a. Oberschenkel), Beweglichkeit
- Schmerztherapie: NSAR (z. B. Ibuprofen), ggf. Kortison-Injektionen
- Orthopädische Hilfen: Bandagen, Einlagen, Kniestabilisatoren
- Ernährung & Gewichtsabnahme
- Gelenkschonende Bewegung (Radfahren, Aquagymnastik, Nordic Walking)
- Intraartikuläre Therapien:
- Hyaluronsäure-Injektionen
- ACP/PRP-Therapie (Eigenbluttherapie)
- Operativ:
- Arthroskopie (nur bei begleitenden Schäden, z. B. freier Gelenkkörper)
- Korrekturosteotomie (bei Fehlstellung in jüngeren Jahren)
- Teilprothese (Schlittenprothese) bei isolierter Arthrose
- Knie-TEP (Totalendoprothese) bei fortgeschrittener Arthrose
Vorbeugung
- Kniegerechte Bewegung ohne Überlastung (regelmäßig, nicht exzessiv)
- Normalgewicht halten
- Frühzeitige Behandlung von Fehlstellungen & Verletzungen
- Muskelaufbau & Stabilisationstraining